Qigong und eine Tasse Tee

Transkript

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00:00:13: Hallo und herzlich Willkommen zu Chi Gong und Eidetasse T. Gedanken und Geschichten über Philosophie, Spiritualität und die Kunst zu kämpfen.

00:00:40: Ich bin Andreas.

00:00:42: In der letzten Folge haben wir das erste Flusspaar unserer Meridian Reihe besucht Die Leber den General deines inneren Reiches und die Galenblase, seinen klugen Berater.

00:00:55: Wir haben gesehen wie diese beiden Straßen manchmal übereinstimmen – und manchmal nicht!

00:01:01: Und was es bedeutet wenn wir zwischen Entschlossenheit und Vorsicht hin- und hergerissen sind?

00:01:09: Heute reisen wir weiter zum zweiten Flusspaar, zum Element des Feuers.

00:01:14: Wir besuchen das Herz in der chinesischen Medizin nicht irgendein Organ, sondern der Kaiser deines gesamten inneren Reiches.

00:01:23: Und wir besuchen seinen engsten Vertrauten den Dündarm, der eine Aufgabe hat die viel größer ist als es sein bescheidener Name vermuten lässt.

00:01:35: Wenn wir über den General sprechen, sprechen wir über Planung, Überrichtung und Entscheidung.

00:01:42: Wenn wir heute über den Kaiser sprechen, sprechen wir etwas anderes.

00:01:47: Über jene stille Autorität die keinen Befehl geben muss um gehört zu werden.

00:01:52: Über jede Kraft die einfach nur da sein muss damit alles andere um sie herum seinen Sinn findet.

00:02:00: Nimm deine Tastetel zur Hand!

00:02:02: Spür wie ihre Wärme sich in deinem Brust ausbreitet dort wo wir seit jeher unseren Kaiser vermuten Und lass uns gemeinsam herausfinden, was es bedeutet von einem Thron aus zu regieren der nicht befiehlt sondern einfach nur leuchtet.

00:02:35: In der traditionellen chinesischen Medizin gibt es ein Bild das mich schon in meinen ersten Jahren als Schüler tief beeindruckt hat die Vorstellung vom Körper als kaiserlicher Hof an dem jedes Organ ein bestimmtes Amt begleitet.

00:02:51: Die Leber ist der General Die Milz, die Ministerin für Vorräte.

00:02:57: Die Lunge?

00:02:59: Der Kanzler!

00:03:00: Und über all diesen Ämtern thront das Herz als Kaiser.

00:03:06: was mich an diesem Bild bis heute fasziniert ist wie die alten Meister die Rolle des Kaisers beschrieben haben.

00:03:14: es heißt der Kaiser regiert durch sein Licht nicht durch seine Befehle.

00:03:20: Sein Amt besteht nicht darin, jedem Untertan vorzuschreiben was zu tun ist.

00:03:26: Dafür gibt es die anderen Ämter – die Generäle, die Minister!

00:03:33: Die eigentliche Aufgabe des Kaisers ist es ruhig und klar auf seinem Thron zu sitzen und ein Licht auszustrahlen indem alle anderen Ämpter überhaupt erst erkennen können was zu TUN ist….

00:03:47: Der Herz Meridian selbst ist auf der Landkarte deines Körpers einer der kürzesten der zwölf großen Flüsse.

00:03:55: Er beginnt tief in der Achselhöhle, zieht die Innenseite deines Armes entlang bis hin zur Innenseiter des kleinen Fingers.

00:04:05: eine kurze direkte fast schon bescheidende Strecke so als würde ein Kaiser gar nicht viele Worte brauchen um seinen Wirken zu entfalten.

00:04:15: Ich finde diesen Kontrast bemerkenswert.

00:04:19: Der kürzeste Fluss unter den zwölf Milliarden gehört ausgerechnet jenem Organ, das die alten Meister als das Wichtigste von allen bezeichnet haben.

00:04:28: So wichtig dass sie sagen wenn der Kaiser seinen Thron verlässt könne kein anderes Amt im Reich mehr richtig funktionieren.

00:04:38: Vielleicht liegt genau darin eine stelle Lehre.

00:04:41: Ware Autorität braucht keinen langen Fluss um sich Gehör zu verschaffen.

00:04:48: Sie muss nur an der richtigen Stelle leuchten.

00:04:53: Ich frage mich manchmal, was das für unser eigenes Leben bedeutet?

00:04:59: Wie oft verwechseln wir Führung mit Lautstärke, mit langen Reden und ständigem Eingreifen?

00:05:07: Und wie oft übersehen wir jene stillere Form von Autorität die einfach nur klar und bei sich selbst ist – und genau dadurch alles um sich herum in Ordnung bringt ohne ein einziges Wort zu verlieren!

00:05:22: Ich erinnere mich an eine Begegnung, die mir dieses Bild sehr eindrucksvoll vor Augen geführt hat.

00:05:29: Vor einigen Jahren nahm ich an einem Seminarteil das von einem sehr alten, ruhigen Taichi-Meister geleitet wurde – er sprach kaum!

00:05:38: Er stand einfach nur da manchmal Minuten lang bevor er eine einzige Bewegung zeigte.

00:05:43: und doch war der ganze Raum voller Menschen, die spürbar aufmerksamer wurden sobald er den Raum betrat Nicht weil er etwas verlangte, sondern weil er in seiner bloßen Anwesenheit eine Klarheit ausstrahlte die sich wie von selbst auf alle anderen übertrug.

00:06:02: Zu diesem Zeitpunkt habe ich verstanden dass diese Art von Wirkung nicht erlernt werden kann wie eine Technik.

00:06:10: Sie entsteht nicht dadurch das man versucht ruhig zu wirken.

00:06:14: sie entsteht wenn ein Mensch tatsächlich in seine eigene Mitte angekommen ist Und dieses Ankommen lässt sich nicht vorteuchen.

00:06:22: Man spürt sofort den Unterschied zwischen jemandem, der Ruhe nur zur Schau trägt und jemanden dessen Kaiser wirklich auf seinem Thron sitzt.

00:06:32: Ich glaube dieser Unterschied ist auch der Grund warum wir manchmal instinktiv misstrauisch werden gegenüber Menschen die zu betont ruhig zu bewusst gelassen auftreten.

00:06:45: Wir spüren ohne es genau benennen zu können dass diese ruhe eher eine Fassade ist Ein Kostüm, das über einer eigentlich unruhigen Mitte liegt.

00:06:55: Echte kaiserliche Ruhe braucht kein Publikum!

00:06:59: Sie verändert sich nicht je nachdem ob jemand zuschaut oder nicht.

00:07:02: Sie ist einfach da, unabhängig davon, ob sie bemerkt wird.

00:07:08: Da muss ich an eine andere Begegnung denken – diesmal mit einem ganz gewöhnlichen Menschen.

00:07:16: Keinem Meister, keinem Lehrer... Es war ein älterer Nachbar aus meiner Kindheit in Berlin-Lichtenberg.

00:07:23: Ein Mann, der nie viele Worte machte, der einfach nur an seinem Garten arbeitete – Tag für Tag!

00:07:29: Mit einer Beständigkeit die mir schon als Kind aufgefallen war.

00:07:34: Ich erinnere mich wie andere Erwachsene um ihn herum oft lauter aufgeregter, geschäftiger Wirkten und wie dieser Mann trotzdem oder gerade deshalb eine Art natürliche Autorität ausstrahlte, der sich niemand entziehen konnte.

00:07:55: Erst viele Jahre später als ich selbst begann über den Kaiser und sein stilles Regieren nachzudenken verstand ich was mich damals an ihm so fasziniert hatte.

00:08:21: Der Dündarm ist in unserer westlichen Vorstellung meist nur eine Verdauungsstation ein Ort an dem Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden bevor der Rest weiter wandert.

00:08:33: In der chinesischen Medizin bekommt dieses Organier doch einen viel größeren, fast schon philosophischen Auftrag.

00:08:40: Es gilt als der Beamte, der die reinen von den unreinen Dingen trennt.

00:08:47: Der dünner Meridian verläuft von der Außenseite des kleinen Fingers über die Rückseite des Arms, über die Schulter entlang das Schulterplatz bis hinauf zur Wange und zum Ohr.

00:09:00: Ich finde bemerkenswert, wie eng dieser Weg mit dem Herz Meridian verwandt ist.

00:09:05: Beide beginnen und enden an den selben Fingern – nur auf der jeweils gegenüberliegenden Seite!

00:09:14: Es ist als würde Kaiser und Richter denselben Palast bewohnen, nur durch einen schmalen Flur voneinander getrennt.

00:09:24: Auf der körperlichen Ebene trennt der Dünderm das Nährende vom Unbrauchbaren in unserer

00:09:29: Nahrung.".

00:09:31: Aber die alten Meister haben diese Funktion nie rein biologisch gedacht.

00:09:36: Sie sahen im Dündarm auch jenen Ort in uns, an dem wir unterscheiden welche Gedanken, welche Eindrücke, welche Erfahrungen wir wirklich in uns aufnehmen und welche wir loslassen dürfen – weil sie uns nicht dienen!

00:09:51: Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem befreundeten Arzt vor einigen Jahren… Der mir erzählte, wie viele seiner Patienten unter dem leiden was er Reizüberflutung nannte.

00:10:03: Nicht im Sinne von zu viel äußeren Reizen sondern von zuviel ungefilterten Eindrücken die sie nicht mehr unterscheiden konnten.

00:10:12: Nachrichten Meinung Bewertungen Alles vermischt sich alles wird gleich wichtig oder gleich bedeutungslos.

00:10:21: Er sagt einen Satz den ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht Meine Patienten haben verlernt zwischen dem was sie nähert und dem, was sie vergiftet zu unterscheiden.

00:10:34: In diesem Augenblick musste ich sofort an den Dünderm denken – an diesen stillen Richter der genau diese Aufgabe in unserem Körper übernimmt meist ohne dass wir es überhaupt bemerken.

00:10:46: Und ich frage mich seitdem ob nicht auch unser Geist einen solchen Richter braucht Eine innere Instanz, die nicht wertet im Sinne von gut oder schlecht sondern schlicht weg unterscheidet.

00:11:02: Was nährt mich gerade wirklich?

00:11:04: Und was fließt besser einfach weiter ohne dass ich es festhalte?

00:11:10: Ich beobachte bei mir selbst das dieser Richter offenbar seine eigenen Zeiten hat in denen er besonders klar arbeitet und andere in denen ja kaum noch zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden kann.

00:11:24: An manchen Tagen kann ich eine kritische Bemerkung eines anderen Menschen hören, kurz innehalten, erkennen was darin vielleicht wahr und hilfreich ist und den Rest einfach vorbeiziehen lassen wie Wasser das an mir abläuft.

00:11:39: An anderen Tagen setzt sich dieselbe Bemerkungen fest wie ein Stein im Bachbett.

00:11:45: Verstopft.

00:11:45: alles lässt mich stundenlang um einen einzigen Satz kreisen!

00:11:50: Ich frage mich, was den Unterschied ausmacht?

00:11:54: Ist es die Erschöpfung?

00:11:57: Ist es eine bereits bestehende Stauung an einer anderen Stelle, die den Richter keine klare Sicht mehr erlaubt?

00:12:04: Ich habe darauf keine abschließende Antwort.

00:12:07: Aber ich finde es hilfreich mir überhaupt bewusst zu machen dass diese Fähigkeit zu unterscheiden keine feste unveränderlicher Eigenschaft ist sondern selbst wie ein Fluss schwankt manchmal klar und schnell... Manchmal Träge und Tulp.

00:12:39: Was geschieht nun, wenn der Kaiser seinen Platz verlässt?

00:12:43: Wenn das Herz nicht mehr ruhig auf seinem Thron sitzt sondern unruhig gehetzt überfordert ist?

00:12:49: In der chinesischen Medizin sagt man dass in einem solchen Fall der Shen Der Geist keine feste Heimat mehr findet.

00:12:58: Man kann sich das vorstellen wie ein Palast dessen Kaiser abwesend ist.

00:13:03: Die Minister und Generäle laufen zwar weiter ihren Aufgaben nach, aber ohne die klare Ausrichtung, die vom Thron ausgehen sollte beginnt im ganzen Reich eine leise Verwirrung.

00:13:15: Jeder handelt für sich – niemand weiß mehr genau, wonach er sich richten soll!

00:13:20: Ich beobachte das oft bei Menschen, die unter chronischen Überforderungen leiden.

00:13:25: Sie sind nicht untätig, im Gegenteil….

00:13:28: sie tun oft mehr als genug ….

00:13:30: sie planen….

00:13:31: sie organisieren.. sie kümmern sich um alles und um jeden Aber irgendwas in ihrer Mitte fühlt sich leer an.

00:13:38: Unruhig, wie ein Zuhause, in dem niemand mehr wirklich wohnt!

00:13:42: Sie funktionieren aber sie herrschen nicht mehr über ihr eigenes Reich.

00:13:48: Ich frage mich ob das nicht eine sehr treffende Beschreibung für viele unserer Erschöpfungszustände ist?

00:13:56: Nicht der Mangel an Handlungen sondern der Mange an einem ruhigen Zentrum von dem aus alle Handlungen ihren Sinn bekommen.

00:14:04: Ein General ohne Kaiser mag noch so kluge Feldzüge planen.

00:14:09: Irgendwann verliert er die Orientierung, wofür er eigentlich kämpft?

00:14:14: Ich denke da an einen älteren Herrn der viele Jahre in meinem Kurs war ein pensionierter Unternehmer, der sein ganzes Leben lang gewohnt war Entscheidungen zu treffen Menschen zu führen Probleme zu lösen.

00:14:28: Nach seiner Pensionierung erzählte er mir wie seltsam leer er sich fühlte obwohl er endlich Zeit für all das hatte, wovon er jahrelang geträumt hatte.

00:14:39: Er sagte einmal einen Satz der mich sehr berührt hat Ich habe mein ganzes Leben lang den General gespielt.

00:14:47: ich hab nie gelernt einfach nur Kaiser zu sein.

00:14:51: Ich glaube in diesem Satz steckt eine ganze Lebensweisheit vielleicht verwechselnd viele von uns... Ich selbst über weite Strecken meines Lebens nicht ausgenommen Die Kraft des Herrschens mit der Kraft des Tuns.

00:15:08: Aber der Kaiser muss nichts tun, er muss nur da sein ruhig klar – mit sich selbst verbunden!

00:15:15: Alles andere geschieht von selbst wenn dieser eine stille Punkt in der Mitte gehalten wird.

00:15:22: Ich denke das ist auch der Grund warum so viele Menschen nach einem intensiven Karriereabschnitt oder nach dem Auszug der eigenen Kinder in eine Art Lehre fallen, die von außen kaum zu erklären ist.

00:15:37: Sie haben doch endlich Zeit!

00:15:38: Endlich Ruhe und trotzdem fühlt sich etwas falsch an.

00:15:44: Ich glaube das liegt selten daran dass ihnen die Aufgaben fehlen.

00:15:50: Es liegt daran dass sie nie gelernt haben ohne eine Aufgabe einfach nur zu sein.

00:15:57: Der General wurde über Jahrzehnte trainiert Der Kaiser hingegen blieb ungeübt, ein Amt das nie wirklich besetzt wurde weil für seine stille Arbeit niemals Zeit zu sein schien.

00:16:10: Ich erinnere mich an ein eigenes Erlebnis dass mir diesen Unterschied sehr deutlich vor Augen führte.

00:16:17: Vor einigen Jahren verletzte ich mich bei der Arbeit und musste für mehrere Wochen jede körperliche Anstrengung einstellen.

00:16:28: Der es gewohnt war, meinen Alltag mit Bewegung und Übung ständig im Tun zu füllen, saß plötzlich still da, unfähig mein gewohnten Generalmodus zu folgen.

00:16:39: Die ersten Tage waren quellend!

00:16:41: Ich fühlte mich nutzlos, unruhig – fast schon schuldig einfach nur dazusitzen.

00:16:48: Doch nach ein paar Tagen geschah etwas Unerwartetes... ich begann eine Art Ruhe zu spüren die ich lange nicht mehr gekannt hatte… Nicht die Erschöpfungsruhe nach großer Anstrengung, sondern eine andere tiefere Qualität, die einfach nur aus dem Sitzen, aus dem Beobacht meines eigenen Atems entstand.

00:17:10: Ich glaube in dieser Zeit der erzwungenen Untätigkeit hat mein Kaiser zum ersten Mal seit langem wirklich seinen Thron besetzt weil sein General endlich gezwungen war eine Pause

00:17:24: einzulegen.".

00:17:39: Ich möchte noch einen Gedanken zur Freude mitgeben, jener Emotion die in der traditionellen Chinesisch Medizin dem Herzen zugeordnet wird.

00:17:50: Wir denken bei Freude oft an etwas Lautes, etwas Ausgelassenes Lachen, Feiern große Gesten.

00:18:00: Aber die Freude von der die alten Meister sprachen wenn sie über das Herz nachdachten war eine andere.

00:18:08: Sie war eher jene Stille tief sitzen zu Friedenheit, die entsteht wenn ein Mensch mit sich selbst im Einklang ist.

00:18:16: Nicht die Freude über ein Ereignis sondern die FreUDe über sein bloßes SeIN!

00:18:23: Es ist bezeichnend dass ein Übermaß dieser Emotion in den alten Texten sogar als schädlich für das Herz beschrieben wird Eine Vorstellung die viele Menschen überrascht wenn sie zum ersten mal davon hören Wie kann zu viel Freude Schaden?

00:18:42: Aber gemeint ist damit nicht die tiefe ruhige Zufriedenheit, sondern jene fiebrige gehätzte Form der Aufregung, die uns aus unserer Mitte reißt.

00:18:53: Die ständige Suche nach dem nächsten Kick, dem nächsten Höhepunkt, der uns davon abhält in der stillen Freude des gegenwärtigen Moments anzukommen!

00:19:04: Ich beobachte das manchmal bei mir selbst – wenn ich nach einem besonders schönen, ereignisreichen Tag abends völlig aufgeregt im Bett liege Unfähig, zur Ruhe zu kommen.

00:19:16: Obwohl doch eigentlich alles gut war!

00:19:19: Es ist als hätte mein Kaiser für einen Moment seinen Thron verlassen um selbst mitzufeiern statt einfach nur in stiller Freude zuzusehen.

00:19:29: Vielleicht lohnt es sich gelegentlich zu bemerken welche Art von Freude gerade in uns wirkt.

00:19:36: Ist es jene laute hungrige Freude die immer mehr will?

00:19:41: Oder ist es jenestille satte Freude nichts mehr braucht, weil sie bereits vollständig ist?

00:19:51: Da war dieser ganz gewöhnliche Nachmittag.

00:19:54: Der mir diesen Unterschied besonders klar vor Augen führte!

00:19:59: Ich saß auf einer Bank in einem Park ohne besonderen Anlass, ohne bevorstehenden Terminen und beobachtete einfach nur wie das Licht durch die Blätter eines Baumes fiel.

00:20:10: Es geschah nichts Außergewöhnliches Und doch spürte ich eine tiefe, warme Zufriedenheit die ich später kaum in Worte fassen konnte.

00:20:20: Es war keine Freude, die von einem Ereignis ausgelöst wurde.

00:20:24: es war eher eine Freude die einfach nur da war sobald ich aufhörte nach dem nächsten Eregnis zu suchen.

00:20:34: Ich glaube solche Momente sind selten weil wir sie selten zulassen.

00:20:39: unser Alltag ist so sehr oft das nächste Ziel den nächsten Erfolg die nächste Ablenkung ausgerichtet dass die stille Freude kaum eine Chance bekommt, sich zu zeigen.

00:20:52: Wir brauchen keine besonderen Umstände!

00:20:55: Wir brauchen nur einen Moment in dem wir aufhören etwas zu suchen und einfach nur da sind.

00:21:16: Ich möchte dir noch eine kleine fast schon poetische Beobachtung aus der chinesischen Medizin mitgeben bevor wir zu unserem letzten Gedanken kommen.

00:21:25: Es heißt... Alles, was in der Tiefe des Kaisers geschieht soll sich – so die alte Lehre – den Farbe, Form und Beweglichkeit der Zunge widerspiegeln.

00:21:45: Ich finde diese Verbindung auf eine stille Weise sehr treffend wenn ich sie nicht wörtlich sondern als Bild nehme.

00:21:53: Denn ist es nicht die Zunge mit der wir sprechen?

00:21:57: Mit der wir unsere innersten Gedanken nach außen tragen?

00:22:02: Es gibt einen alten Ausdruck im Deutschen der zufällig in eine ganz ähnliche Richtung weist.

00:22:08: Wir sagen von einem ehrlichen Menschen, er trage das Herz auf die Zunge!

00:22:14: Als wüssten wir instinktiv dass diese beiden – das innerste Zentrum und das Sprechorgan – auf eine besondere Weise miteinander verbunden sind.

00:22:26: Man erlebt es oft in Gesprächen dass Menschen etwas sagen, während ihre Stimme, ihr Tonfall die kleinen Verzögerungen zwischen den Worten etwas völlig anderes erzählen.

00:22:40: Man kann mit dem Verstand, die eine Sache behaupten, während der Kaiser im Hintergrund längst eine andere Wahrheit ausstrahlt und diese Wahrheit sichert fast immer durch – ob wir wollen oder nicht?

00:22:54: Ich frage mich manchmal wie es wäre öfter inne zu halten bevor ich spreche, nicht um meine Worte zu kontrollieren sondern um kurz zu prüfen.

00:23:06: Kommt das was ich gleich sage wirklich aus der Mitte?

00:23:09: Aus jenem ruhigen Thron oder kommt es aus der Hektik aus dem Wunsch schnell etwas zu erwidern bevor ich überhaupt gespürt habe was in mir eigentlich wahr ist.

00:23:36: Ich möchte dir noch eine letzte Beobachtung mitgeben die mich seit vielen Jahren begleitet und die eng mit unserem heutigen Thema verwandt ist.

00:23:46: Ich treffe in meinem Leben immer wieder auf Menschen, die mir sagen mein Kopf weiß was richtig wäre aber mein Herz will etwas anderes oder umgekehrt.

00:23:57: mein Herz sagt mir eindeutig was ich tun sollte aber mein Verstand findet tausend Gründe dagegen.

00:24:07: Die chinesische Medizin würde diesen Konflikt nicht ganz so beschreiben, wie wir es im Westen tun.

00:24:14: Für die alten Meister war das Herz nicht nur der Sitz des Gefühls sondern auch der Sitze des Chen jenes Aspekt unseres Geistes, der Klarheit Bewusstheit und tiefe Erkenntnis ermöglicht.

00:24:31: Das Herz war also nicht der emotionale Gegenspieler des Verstandes.

00:24:35: Es war eher jene Instanz, in der Gefühle und Erkenntnis eigentlich zusammenfinden sollten bevor sie sich künstlich in zwei Lager aufspalten.

00:24:47: Ich frage mich ob dieser vermeintliche Konflikt zwischen Herz-und Verstand den so viele von uns kennen vielleicht gar kein echter Konflik ist sondern ein Zeichen dafür dass der Kaiser gerade nicht auf seinem Thron sitzt?

00:25:04: Denn wenn er dort sitzt ruhig klar Mit sich selbst verbunden, dann so behaupten es zumindest die alten Texte gibt es diesen Zwiespalt gar nicht mehr.

00:25:17: Dann weiß der Mensch einfach was zu tun ist ohne das Herz und verstand sich erst mühsam einigen müssten.

00:25:27: Ich will nicht behaupt'n dass ich diesen Zustand oft erreiche Aber ich erinnere mich an einzelne seltene Momente in meinem Leben in denen genau das geschah in denen eine Entscheidung sich anfühlte, als käme sie aus einem einzigen klaren Ort statt aus einem Verhandlungsgespräch zwischen zwei streitenden Parteien.

00:25:51: Vielleicht war das der Moment, in dem der Kaiser tatsächlich auf seinem Thron saß?

00:25:57: Ich möchte dich einladen, in den nächsten Tagen einmal darauf zu achten ob es solche Momente auch in deinem Leben gibt oder gab!

00:26:07: Momente, in denen eine Entscheidung sich nicht wie ein Kompromiss anfühlte sondern wie eine einzige ruhige Gewissheit.

00:26:15: Und vielleicht fragst du dich in diesem Moment dann was war in diesem moment anders?

00:26:22: Was hat den Kaiser damals auf seinem Thron zurückgehalten?

00:26:39: Wir haben heute das zweite Flusspaar unserer Meridianreise bereist.

00:26:44: Wir haben das Herz als den Kaiser kennengelernt, der nicht durch Befehle sondern durch seine bloße Anwesenheit regiert.

00:26:52: Und wir haben dem Dünndarm als jenen stillen Richter getroffen, der in uns unterscheidet was uns nähert und was wir besser weiter fließen lassen sollten.

00:27:05: Wir haben uns gefragt was geschieht wenn dieser Thron leer bleibt?

00:27:09: Wenn wir zwar unermüdlich handeln, aber den ruhigen Mittelpunkt verloren haben von dem aus all unsere Handeln eigentlich seinen Sinn bekommen sollte.

00:27:19: Und wir haben über jene stille Freude nachgedacht die nicht mehr sucht weil sie bereits vollständig ist.

00:27:29: In der nächsten Folge besuchen wir ein Paar das in der chinesischen Medizin eine ganz besondere Stellung einnimmt.

00:27:38: Das sogenannte Ministerfeuer verkörpert durch den Perikard Die schützende Hülle um dein Herz.

00:27:46: Und den dreifachen Erwärmer, jenen geheimnisvollen Funktionskreis der drei ganz unterschiedliche Bereiche deines Körpers miteinander verbindet!

00:27:57: Wir werden sehen warum die alten Meister glaubten Der Kaiser brauche eine eigene Palastwache und was das für deine Fähigkeit bedeutet dich anderen Menschen zu öffnen ohne dich dabei zu verlieren.

00:28:13: Nimm dir für heute nur dieses eine Bild mit.

00:28:17: In deiner Mitte sitzt ein Kaiser, der nicht befehlen muss um gehört zu werden.

00:28:24: Vielleicht lohnt es sich in den nächsten Tagen einmal zu bemerken ob er gerade auf seinem Thron sitzt oder ob du wie so viele von uns gerade wieder den General spielst ohne zu be merken dass der eigentliche Herrscher deines Reiches längst woanders ist.

00:28:44: Ich bin Andreas.

00:28:46: Bleib bei Dir.

00:28:48: Spüre, ob Dein Kaiser heute auf seinem Thron sitzt und vertraue Deiner Natur.

00:28:54: Bis zur nächsten Tasse Tee wenn es wieder heißt Che-Gong und eine Tasse tee Gedanken und Geschichten über Philosophie, Spiritualität und die Kunst zu leben.

00:29:10: Wenn dir diese Episode gefallen hat dann abonniere diesen Podcast damit du keine Tasse t mehr verpasst Und wenn du jemanden kennst, für den dieser Blick auf den Kaiser und seinen Richter gerade jetzt wertvoll sein könnte dann erzähle ihm gerne davon.

00:29:29: Wenn dich eigene Gedanken zu dieser Folge begleiten oder du Fragen hast dann schreib mir doch einfach in die Kommentare oder schick mir einfach eine Nachricht per Mail.

00:29:38: Ich freue mich immer sehr von euch zu hören.

00:29:42: Alle Infos zu mir und meiner Arbeit findest Du oft meiner Homepage.

00:29:47: Den Link dazu habe ich dir wie immer Direkt in die Show.

00:29:51: nun zu dieser Folge der Pappe.

00:29:54: Bis zum nächsten Mal!

00:30:14: Lebt mich ein, bei mir zu sein.

00:30:29: Heißer Tee in meinet Ein Anker in diesem Land.

00:30:34: Chigong und eine Tasse Tee.

00:30:38: Der Morgen malt ein zartes Licht Im Atemzug.

00:30:42: da spür ich mehr Als Worte.

00:30:45: es beschreibt Die Seele laut der Körper lang Der innere Kompass neu geeicht.

00:30:53: Kein Kampf kein Zwang nur ein sanftes Fließen die Harmonien im Innern.

00:31:00: Der Tee erzählt Geschichten, alt und weiß.

00:31:03: Das G-Umhüllt mich gibt mir neues Preis.

00:31:06: Ein Moment der Klarheit, tief und warm.

00:31:09: Mach nicht bereit für all das was ist und war.

00:31:14: G-Gott hast ja morgen mal Im Atemzug.

00:31:24: Worte.

00:31:24: es beschreiben Die Seele lauschen.

00:31:33: Ja G-Go und deine Tasse tee So fängt jeder Tag an den ich sehe.

00:31:39: In Stille finde ich meinen Weg Im Rhythmus der das Leben trägt.